{"id":43,"date":"2011-04-28T09:50:39","date_gmt":"2011-04-28T09:50:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falkenauer-ev.de\/?p=43"},"modified":"2011-04-28T09:50:39","modified_gmt":"2011-04-28T09:50:39","slug":"bergbau-von-1800-1850","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.falkenauer-ev.de\/?p=43","title":{"rendered":"Bergbau von 1800-1850"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>DER KOHLENBERGBAU IN DER ZEIT VON 1800-1850<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Versetzen wir uns an den Beginn des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck: Die technischen M\u00f6glichkeiten im Bergbau waren beschr\u00e4nkt. Es gab noch keine Dampfmaschinen (im Ruhrbergbau wurde die erste Dampfmaschine im Jahre 1816 eingesetzt), noch keine Eisenbahn (in Deutschland fuhr die erste Eisenbahn 1835 von N\u00fcrnberg nach F\u00fcrth) und noch keine Elektrizit\u00e4t (1829 wurde die Gl\u00fchlampe erfunden, 1834 der Elektromotor). Durch den Falkenauer Raum f\u00fchrte au\u00dferdem nur eine alte Poststra\u00dfe von Prag nach Eger.<\/p>\n<p>Anf\u00e4nglich beschr\u00e4nkte sich der Bergbau im Falkenauer Becken auf die Gewinnung des Pyrits, der das Josefifl\u00f6z begleitete und in sogenannten \u00bbMineralwerken\u00ab verarbeitet wurde. Die Entwicklung dieser Mineralwerke erfolgte im wesentlichen durch die Initiative von Johann David Starck, geboren am 1. Mai 1770 in Graslitz. Schon sein Vater betrieb ausgedehnte Gesch\u00e4fte und besch\u00e4ftigte zahlreiche Hausweber. Sein Sohn, ein fr\u00fch selbst\u00e4ndiger, tatkr\u00e4ftiger Mann voller Unternehmungsgeist, legte den Gewinn seines Schaffens in immer neuen Unter- nehmungen an und pr\u00e4gte mit seinem Namen auf Jahrzehnte die Entwicklung im Falkenauer Revier.<\/p>\n<p>Die Mineralwerke hatten einen hohen Holzverbrauch und Johann David Starck versuchte nun f\u00fcr die Feuerung Mineralkohle zu verwenden. Im Jahre 1828 wurde in Altsattl die erste Dampfmaschine zur Wasserhebung aufgestellt, angeblich die erste in ganz B\u00f6hmen.<\/p>\n<p>Nach und nach erwarb Starck die meisten Mineralwerke, es entstand ein fr\u00fcher Komplex der chemischen Industrie, der die Kohle nur als Brennstoff, nicht jedoch als Rohstoff verwendete.<\/p>\n<p>Starck mu\u00dfte zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Erwerb der Kohlengruben in Altsattl, Littmitz und Unterreichenau auch die Zehentverpflichtung an den Grafen Nostitz \u00fcbernehmen. Um diesen Zehent entstanden Streitigkeiten, die erst 1831 vom Berggericht in St. Joachimsthal entschieden wurden.. Nach einem Gubernialerla\u00df vom 3. Juni 1825 stand der Grundobrigkeit aus Betrieben, die dem Bergregal unterlagen, kein Zehent mehr zu.<\/p>\n<p>Die politischen Verh\u00e4ltnisse nach den Napoleonischen Kriegen in der Zeit des Absolutismus unter Metternich waren der Entwicklung im Bergbau nicht f\u00f6rderlich. Der Ansto\u00df zu einer Ver\u00e4nderung und damit zu einer weiteren Entfaltung des Bergbaues ging wieder von Frankreich aus, das hei\u00dft als Folge der Pariser Julirevolution von 1830.<\/p>\n<p>Bereits 1813 war in Reichenau das Agnesfl\u00f6z entdeckt worden. Erste Abbauversuche waren jedoch nicht von langer Dauer. Ab 1830 wird nun das Bestreben erkennbar, die Kohle f\u00fcr sich zu erschlie\u00dfen und zu verwerten und nicht nur als Feuerung in den Mineralwerken zu verwenden.<\/p>\n<p>Johann David Starck kaufte 1833 und 1834 den zersplitterten Grubenbesitz bei Unterreichenau auf und errichtete 1835 zur Verwertung der Kohle eine Ru\u00dfh\u00fctte (Ru\u00df f\u00fcr Lackfarben und Druckerschw\u00e4rze) in Reichenau.<\/p>\n<p>Die Kohlen wurden im Tagebau gewonnen, die Grubenw\u00e4sser erforderten den Einsatz von starken Wasserhebemaschinen: 1834 war es eine 12-PS-Dampfmaschine, 1840 eine mit 20 PS.<\/p>\n<p>Johann David Starck, ein Pionier des Bergbaues im Falkenauer Raum, wurde f\u00fcr seine Verdienste um Industrie und Staat 1836 von Kaiser Ferdinand I. in den erblichen Adelsstand erhoben. Er starb 1841 und wurde in Altsattl, wo er seit 1818 seinen Wohnsitz hatte, begraben. Sein Sohn Johann Anton Edler von Starck hatte schon 1832 die Werksleitung \u00fcbernommen und f\u00fchrte nach dem Tode des Vaters die Betriebe der Firma \u00bb Johann David Starck \u00ab weiter, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts eines der f\u00fchrenden Industrieunternehmen in B\u00f6hmen werden sollten. 1873 wird Johann Anton Edler von Starck in den Freiherrnstand erhoben und zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses im \u00d6sterreichischen Reichsrat ernannt. Im ]ahre 1843 baute er in Reichenau ein Schlo\u00df, welches noch heute Sitz der Verwaltung und Leitung des gesamten Falkenauer Kohlenreviers ist. Johann Anton Freiherr von Starck starb 1883.<\/p>\n<p>Zur weiteren Erschlie\u00dfung der Kohle in Unterreichenau wurde 1844 mit dem Bau des \u00bbAntoni-Erbstollens\u00ab zur Entw\u00e4sserung der Grube begonnen. F\u00fcr die damalige Zeit war dies ein gro\u00dfes Unternehmen, der Stollen war an einzelnen Stellen 1851 noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Falkenauer Revier die Schwefelkiese und Alaunerden und deren Verarbeitung in den Mineralwerken den Kohlenbergbau einleiteten, war es im Elbogener und Karlsbader Gebiet das Kaolin ( = Porzellanerde) mit der darauf aufbauenden Porzellanindustrie (1710 Erfindung des Porzellans durch B\u00f6ttcher in Mei\u00dfen), die den Kohlenbergbau nach sich zog.<\/p>\n<p>Die ersten Versuche zur Porzellan- und Steinguterzeugung in B\u00f6hmen datieren aus dem Jahre 1789. Franz Haberditzl aus Rabesgr\u00fcn bei Schlaggenwald wollte mit Hilfe einer Gewerkschaft und eines Facharbeiters aus Th\u00fcringen eine Fabrikation aufziehen. Die Gewerkschaft l\u00f6ste sich jedoch 1793, nach dem Tode Haberditzls auf.<\/p>\n<p>Erst dem Bergmeister Johann Georg Paulus aus Schlaggenwald, der 1792 den ersten Brennofen aufgestellt hatte, gelang es, eine lebensf\u00e4hige Porzellanfabrik zu begr\u00fcnden. Sp\u00e4ter entstanden an anderen Orten weitere Fabriken, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren es insgesamt um die 20 Porzellanfabriken in diesem Raum.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung des Braunkohlenbergbaues war vor allem die Errichtung der Porzellanfabrik in Elbogen durch die Gebr\u00fcder Haidinger im Jahre 1815 von Bedeutung. Die Wahl des Standortes fiel auf Elbogen wegen der g\u00fcnsti- gen Verkehrslage an der Eger und an der Post-stra\u00dfe von Prag nach Bayern und ferner wegen der N\u00e4he der Rohstoffe f\u00fcr das Porzellan (Kaolin, Tone, Feldspat, Quarz) und des Brennmaterials, der Gr\u00fcnlaser Glanzkohle. Diese Kohlensorte hatte einen besonders hohen Heizwert und wurde schon seit Ende des 18. Jahrhunderts ge- f\u00f6rdert. 1809 wird im Gr\u00fcnlasbachtal ein Erbstollen angeschlagen, der die Grube entw\u00e4ssern sollte. Auch in vielen anderen Orten dieses Raumes entwickelt sich nun der Bergbau durch verschiedene Gewerkschaften; vor allem sind es die Porzellanfabriken, die sich Grubenma\u00dfe sichern.<\/p>\n<p>In den 1830er Jahren begann man auch mit dem Ausbau der Hauptstra\u00dfen im Revier: 1832 wurde die neue Stra\u00dfe von Karlsbad \u00fcber El- bogen und Falkenau nach Eger gebaut, und 1833 die Post von Zwodau nach Falkenau verlegt-<\/p>\n<p>Inder ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts war der Kohlenbergbau ein reiner Handbetrieb, da Dampfmaschinen zur F\u00f6rderung noch nicht zur Verf\u00fcgung standen und Wasserhebemaschinen sich nur gro\u00dfe Unternehmen leisten konnten.<\/p>\n<p>Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bev\u00f6lkerung B\u00f6hmens auf 4,4 Millionen Bewohner angestiegen. Dieser Bev\u00f6lkerungszuwachs und der daraus entstandene gr\u00f6\u00dfere Brennstoffbedarf war neben der Verwendung der Kohle in den Mineralwerken und Porzellanfabriken ein weiterer Zwang zur Entwicklung der Kohlenindustrie. Betrug die Revierf\u00f6rderung zu Beginn des 19. Jahrhunderts j\u00e4hrlich nur 2000 Tonnen, so stieg die F\u00f6rderung nach den Koalitionskriegen und dem \u00f6sterreichischen Staatsbankrott von 1811 bzw. nach den Napoleonischen Kriegen auf rund 10000 Tonnen pro Jahr an. Durch die Zehentverpflichtung usw. war die Entwicklung jedoch immer noch gehemmt. Erst ab 1830 steigt die F\u00f6rdermenge und erreicht 1845 fast 40000 Tonnen, im Jahre 1848 f\u00e4llt sie wieder auf etwa 20000 Tonnen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Revolution von 1848.brachte dann eine Aufhebung der Bindungen aus den alten Untert\u00e4nigkeitsverh\u00e4ltnissen des Feudalsystems, und es wurde der Weg frei f\u00fcr neue Initiativen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DER KOHLENBERGBAU IN DER ZEIT VON 1800-1850 &nbsp; Versetzen wir uns an den Beginn des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck: Die technischen M\u00f6glichkeiten im Bergbau waren beschr\u00e4nkt. 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